Mehr als das Auge sieht: Eine „blinde” Stippvisite im Renaissance Hamburg Hotel

Von Alica Renken,

Als ich Saliya Kahawatte in der Lobby des Renaissance Hamburg Hotels treffe, bin ich verblüfft. Verblüfft davon, wie er sich mit absoluter Sicherheit durch die Räumlichkeiten bewegt. Wie er mir bei der Begrüßung gezielt die Hand reicht, wie er mir direkt in die Augen blickt. Weshalb mich das so verblüfft? Saliya Kahawatte hat seit seinem 15. Lebensjahr eine starke Sehbehinderung. Heute bleiben ihm noch etwa fünf Prozent Restsehvermögen.

Die einzigartige Geschichte von Saliya Kahawatte

Nicht nur mich kann Kahawatte leicht in die Irre führen. Während seiner 14-jährigen Hotelkarriere als Barkeeper und Bankett-Kellner bemerkte auch keiner seiner Kollegen und Vorgesetzten seine Sehbehinderung. Da man ihm sagte, er könne mit seiner Behinderung unmöglich in einem Hotel arbeiten, verschwieg er sie – und kam damit durch.

Wenn Saliya Kahawatte mit selbstsicheren Schritten das Renaissance Hamburg Hotel betritt, würde bis heute niemand ahnen, dass er fast nichts sehen kann. Viele kennen seine Geschichte wohl schon aus dem Film Mein Blind Date mit dem Leben: Als er ein Teenager ist, löst sich über Nacht seine Netzhaut ab und er verliert er den Großteil seines Augenlichts. Was heute wohl Förderschule und viele Diskussionen über Inklusion bedeuten würde, hat Kahawatte nicht davon abgehalten, sein Abitur auf der Regelschule zu machen.

„Wenn man Brot backen will, dann braucht man drei Dinge: Mehl, Hefe und Wasser. Und wenn man mit vielen Handicaps ausgestattet ist und kein Geld hat, dann braucht man Mut, Entschlossenheit und Vorstellungskraft.”

Danach machte er in einem Hotel in Hannover seine Hotelfachausbildung und entschloss sich später, nach Hamburg zu ziehen. Dort arbeitete er dann unter anderem im Renaissance Hamburg Hotel, das als Vier-Sterne-Hotel in Spitzenlage zwischen Jungfernstieg und Rathausplatz zur Crème de la Crème der Hamburger Hotellandschaft zählt.

Das Renaissance Hamburg Hotel von außen.

Wir führen unser Interview genau dort, wo Kahawatte eine der ersten Stationen seiner Hotel-Karriere absolvierte: In der BRICKS Tea Lounge Bar. Nachdem er jahrelang als Barkeeper sein Geld verdient hat, weiß er, dass die Leute nicht zu ihm in die Hotelbar kamen, weil er den besten Piña Colada in Hamburg mixte. „Die Leute kamen zu mir, weil sie mich mochten.”

Bis heute ist das „people business Hotellerie” für ihn etwas Besonderes, dessen Magie für ihn vor allem im Kontakt mit Menschen liegt. „Wenn ich Kinder hätte, müssten sie zuerst eine Hotelfachausbildung machen. Weil: Danach kann man mit Menschen umgehen, man kann sich benehmen, man kann kochen, man hat die Tischregeln drauf und man kennt Leute aus allen Erdteilen.”

„Wenn ich immer nur das tue, was ich schon kann, bleibe ich da wo ich bin.”

Allerdings war die Zeit als Kellner für ihn alles andere als ein Spaziergang. Er machte jeden Tag Überstunden um Abläufe auswendig zu lernen, Flaschen hinter der Bar zu arrangieren oder sich im Weinkeller des Hotels mit den neuen Weinen vertraut zu machen.

Saliya Kahawatte mit Lupe.

Immer dabei: eine Lupe, mit der er aus nächster Nähe noch einige Details erkennen kann. Was er auch mit der Lupe nicht sehen konnte, das verrieten ihm seine Ohren. „Ich bin vom sehenden zum hörenden Menschen geworden”, sagt er. Musste er Gläser polieren, erkannte er alleine ihrem Klang, ob sie tatsächlich sauber waren.

Erinnerungen an das Renaissance Hamburg Hotel

Als ich Kahawatte nach Pannen aus dieser Zeit frage, lacht er. Seine Gäste hätten sich während seiner Anfangszeit wohl vor allem über seine starken Drinks gefreut, da er die Mengen an Alkohol noch nicht richtig einschätzen konnte. Heute „misst” er blind nach Gefühl (im wahrsten Sinne) die richtige Menge ab.

Öfter habe er sich auch dumm gestellt oder auf ungeschickt gemacht, um peinlichen Situationen zu entgehen. Weil er von Weitem nicht erkennen konnte, ob Gäste ihm zuwinkten, habe er mehr oder weniger unfreiwillig den bestmöglichen Service geboten: „Ich bin praktisch ständig um die Tische herumgeschlichen und habe gefragt, ob alles in Ordnung ist. Und alle dachten: ‚Der ist aber aufmerksam!’”

Saliya Kahawatte vor dem Personaleingang des Renaissance Hamburg Hotel.

Nicht nur in der Bar fühlt er sich noch immer wie Zuhause: Zielsicher führt er mich durch die Flure und Treppen hinauf zum Personaleingang des Hotels, durch den er vor fast zwei Jahrzehnten jeden Tag ein- und ausging.

Später zeigt er mir den Weg zur Renaissance-Suite, der teuersten Suite des First-Class-Hotels (Ja. Er hat mir den Weg gezeigt. Und ehrlich gesagt auch den Rückweg, mein Orientierungssinn ist bescheiden.). Ohne zu zögern findet er sich auch nach beinahe 20 Jahren noch ohne Probleme zurecht und erzählt mir ganz nebenbei eine Anekdote darüber, wie er Steffi Graf einst ihr persönliches Frühstücks-Buffet in der Suite aufbaute.

Saliya Kahawatte in einer Suite des Renaissance Hamburg Hotels.

Als wir uns verabschieden, kann ich mich gar nicht mehr einkriegen. Ich habe in meinem Job schon viele Hotels gesehen, aber so persönliche Einblicke (entschuldigt die Wortwahl) in das Hotel-Geschäft hat mir wohl noch niemand gewährt. Nach diesem Tag ist mir klar, weshalb der Mann heute unter anderem erfolgreich als Business-Coach und Key-Note-Speaker unterwegs ist. Was könnte schließlich mehr inspirieren als eine wahre Geschichte?

Das Renaissance Hamburg Hotel

Das Hotel liegt im Herzen der Hanse-Metropole in den Großen Bleichen und damit nur einen Steinwurf von Einkaufsstraßen und beliebten Sehenswürdigkeiten Hamburgs entfernt. Wenn Ihr den ganzen Tag über die Stadt erkundet habt, könnt Ihr abends perfekt bei einem Drink in der BRICKS Tea Lounge Bar entspannen. Lecker schlemmen lässt es sich im Hotelrestaurant Broscheks, allerdings gibt es in unmittelbarer Umgebung des Hotels auch unzählige andere gute Restaurants.

 

Die Zimmer und Suiten sind erst vor Kurzem renoviert worden und halten Design-Details für echte Hamburg-Fans bereit: An den Wänden finden sich überall die Namen von Straßen und bekannten Plätzen der Stadt. Egal ob ob Shopping, Sightseeing, Kultur oder Party: Von hier aus könnt Ihr in null Komma nichts in Euer persönliches Hamburg-Abenteuer starten.

 

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