Kölle Alaaf! Wie Ihr den Kölner Karneval 2015 richtig feiert!

Von Birgit Münzer,

Im Herzen bin ich ein kölsches Mädche und zähle bereits jetzt die Tage bis es wieder heißt: „Dreimol vun Hetze Kölle Alaaf! Kölle Alaaf! Kölle Alaaf!“ (Übersetzt: Dreimal von Herzen: Köln Alaaf! Köln Alaaf! Köln Alaaf!) Sicher ist dies wieder auf den vielen Karnevalssitzungen rund um Köln seit dem 11.11.2014 täglich möglich, aber ich meine die tollen Tage von Wieverfasteloven (Altweiber, 12.02.2015) bis hin zum Veilchendienstag (17.02.). Die Tage an dem janz Kölle Kopf steht und der Kölner Straßenkarneval im vollen Gange ist. Für alle, die bereits fleißig an ihrem Kostüm basteln und einen Besuch in der Domstadt zum Fastelovend, zum Kölner Karneval 2015, planen – für alle die ist dieser Blogpost.

Rote Funken Gardisten auf dem Rosenmontagszug in Köln(c) Kölsche Funken rut-wiß vun 1823 e.V.

Doch nun zunächst einmal zu den Basics des Kölner Karnevals. Der Kölner Karneval beginnt jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr und endet am Aschermittwoch. Karnevalisten bezeichnet man auch als Jecke. Die Karnevalszeit wird von den Jecken als Session bezeichnet. Die höchsten Repräsentanten des Kölner Karnevals sind das Dreigestirn. Zu diesem zählen dat schönste wat mir han: die Jungfrau, der deftige Bauer und der schmucke Prinz. Alle drei verfügen über Insignien während ihrer Amtszeit. Der Prinz hält stolz die Pritsche (Peitsche bzw. Fruchtbarkeitsrute), die Jungfrau trägt den Spiegel und der Bauer verfügt über die Stadtschlüssel und den Dreschflegel. Diese Insignien werden dem Dreigestirn feierlich bei der Proklamation überreicht.

Prinz Jungrau und Bauer (c) J.Rieger, Köln/Festkomitee Kölner Karneval

Zur jeder Session gibt es ein Motto sowie das Mottolied zum Thema. Das Motto der diesjährigen Session lautet „social jeck – kunterbunt vernetzt“. Auf den vielen Karnevalssitzungen in Köln und Umgebung treten neben dem Dreigestirn, Traditionskorps mit ihren hübschen Funkemariechen, Karnevalsbands sowie Büttenredner auf. Zu den bekanntesten Traditionskorps zählen die Roten und Blauen Funken. Unter den Karnevalsbands gibt es Gruppen wie die Höhner, die in ganz Deutschland bekannt sind. Und für alle die es nicht wissen Büttenredner sind Redner, die auswendig im kölschen Dialekt ihre Büttenreden an speziellen Rednerpult „Bütt“ vortragen. Der Höhepunkt des Fastelovend ist der Rosenmontagszug.

Do's und Dont's des Kölner Karneval

Do’s – Wat soll ma mache:

  • Verkleidet euch! Ungelogen in Köln fällt man ohne Kostüm mehr auf, als mit Kostüm! Ein schönes Karnevalskostüm findet Ihr online bei maskworld.com oder Ihr geht zum Deko Festartikel Schmitt direkt am Dom.
  • Packt ne‘ Büggel ein und sammelt Kamelle, Strüssjer und Flönz! (Ein Büggel ist ein unter den Hipstern bekannter Jutebeutel!)
  • Lernt die Karnevalssongs auswendig! An Karneval wird gesungen was die Stimmbänder hergeben! Mit diesen zehn Songtexten von Karnevalsklassikern könnt Ihr euch perfekt vorbereiten und in unserem exklusiven Interview mit Henning Krautmacher erfahrt Ihr auch, welche Songs die Evergreens sind und welche Songs dieses Jahr zu den Lieblingsliedern der Höhner zählen! Außerdem gibt er den Tipp bereits vor den tollen Tagen euch in der „Lachenden Kölnarena“ Euch richtig in Karnevalsstimmung zu bringen!
  • Trinkt Kölsch!
  • Aber plant genug Zeit für den Toilettengang ein! Gerade an den Damentoiletten bilden sich lange Schlangen und es kann auch mal bis zu einer Stunde dauern bis man dran ist! Also besser rechtzeitig den Weg Richtung stilles Örtchen antreten!
  • Bützt wat das Zeug hält! (Unter Bützjer verstehen die Kölner „einen Schmatzer auf Wange oder Mund“)
  • Schunkelt wat das Zeug hält! (Unter Schunkeln verstehen die Kölner das Einhacken und hin- und herwackeln zum Rhythmus der Musik!)
  • Geht in die authentischen Kneipen und Brauereien in der Südstadt – hier erlebt Ihr echten kölschen Karneval! (Wer internationale Kontakte hingegen knüpfen möchte, der ist in der Altstadt besser aufgehoben. Hier spielen die Bars auch eher Chart- als Karnevalsmusik). Eine absolut authentisch kölsche Kneipe ist auch „Em Golde Kappes“ in Köln-Nippes und die ständige Vertretung der Höhner der Höhnerstall findet ihr am Heumarkt.
  • Esst Berliner! Die faustgroßen, mit Konfitüre gefüllten und in heißen Fett gebackenen Kugeln aus Hefeteig bilden eine super Grundlage! Aber Achtung manche Bäcker lassen sich den Spaß nicht nehmen und füllen den ein oder anderen Berliner mit Senf! Von der Bäckerei Kamps wissen wir, dass mehr als 80.000 Berliner an Karneval über die Ladentheke gehen.
bunter Berliner mit Zuckerguss(c) Kamps Bäckerei

Don’t’s – Wat soll man nich mache:

  •  Wildpinkeln! Das kann nämlich sehr teuer werden! Wer in Köln beim Wildpinkeln erwischt wird – ist schnell mal 35 Euro los!
  • Glasflaschen mitnehmen! In der Kölner Innenstadt herrscht an den jecken Tage in vielen Bezirken absolutes Glasverbot!
  • Ruft auf keinen Fall Helau auf kölner Grund und Boden!
  • Sprecht nicht über den Aschermittwoch!
 (c) Em Golde Kappes(c) Em Golde Kappes

Wem dieses Informationspaket über den Kölner Karneval noch nicht ausreicht, der sollte mal hier nachschauen oder dem sei der Survivalguide von Jens Burmeister „Karneval für Imis“ ans Herz gelegt. In diesem Buch erklärt der Wahlkölner den Kölner Karneval für Imis, diejenigen die vermeintlich keine Original-Kölner sind, jenseits der Stadtgrenze wohnen oder im Rheinland geboren sind und den Kölner Karneval perfekt imitieren möchten.

Karneval Veranstaltungstage

Nun aber zu den Highlights der sechs Straßenkarnevalstage sortiert nach Tagen:

Tag 1 Weiberfastnacht (12.02.2015)

Ihr reist schon an Weiberfastnacht an und es soll direkt losgehen? Dann plant am besten vor 11.11Uhr im Kölner Geschehen anzukommen. An Wieverfastelovend wird offiziell der Straßenkarneval eröffnet. Zu den Hauptanlaufstellen der Jecken zählen an diesem Tag die Kölner Altstadt, die Südstadt, die Zülpicher Sraße (Studentenviertel), Köln-Ehrenfeld (vor dem Bezirk Rathaus) oder Köln-Nippes (Wilhelmplatz). Die Hauptveranstaltung findet mit dem Kölner Oberbürgermeister und dem Kölner Dreigestirn am auf dem Alter Markt in der Kölner Altstadt statt. Für ein weiteres Highlight des Tages sorgt der Traditions-Reiter-Korps Jan von Werth von 1925 e.V., der gegen 13.30 Uhr auf den Platz vor der Torburg am Chlodwigplatz zieht und traditionell die Legende um „Jan un Griet“ nachspielt. Im Anschluss daran zieht das Korps von zahlreichen Karnevalsvereinen begleitet weiter in die Kölner Altstadt zum Alter Markt. Dies ist jedes Jahr der erste Karnevalszug der Session.

(c) Dieter Jacobi/Köln Tourismus GmbH

Tag 2 Karnevalsfreitag (13.02.2015)

Einen Vorgeschmack auf die Schull- und Veedelszöch am Karnevalssonntag gibt der Sternmarsch der Veedelsgruppen in der Kölner Innenstadt. Über 40 Gruppen starten um 16.30 Uhr von vier verschiedenen Plätzen (Heumarkt, Laurenzplatz, Bollwerk und Eisenmarkt) und marschieren sternförmig zum Alter Markt. Dort werden die Jecken dann vom Dreigestirn begrüßt und es wird zu kölschen Klängen bis ca. 22.00 Uhr weiter gefeiert. Die Tribünen auf dem Alter Markt sind ab 16Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Wer es lieber gemütlich und etwas wärmer mag, dem sei das Kölschfest im beheizten Großzelt am Südstadion empfohlen. Hier geht es ab 17Uhr los. Einen Sitzplatz könnt ihr euch hier reservieren.

Kölschfest in Köln(c) Philipp Ising

Tag 3 Karnevalssamstag (14.02.2015)

Am Nelkensamstag steht das kölsche Frühshoppen „Funkenbiwak“ um 10.30 Uhr am Neumarkt an. Ansonsten steht der Samstag neben vielen kleineren Karnevalsumzügen im Umkreis von Köln, ganz im Sinne des Geisterzugs. Dieser findet ab 18.00Uhr statt und soll sowohl karnevalistisch als auch politisch sein. Neben Hexen und Vampiren ziehen auch römische Geister durch die Stadt. Das Beste am Geisterzug: Jeder darf in diesem Zug mitgehen! Am liebsten in  Gruselverkleidung. Zuschauer am Rande werden geduldet, jedoch sind die Mitläufer den Kölnern lieber. Saam Wolfgang (Zugführer) über seinen Geisterzug: „Der Geisterzug ist ein Karnevalszug, wo es kein Kamelle jit, aber dafür jeder mitmachen kann. Zuschauer sind willkommen, aber originell maskierte Teilnehmer sind uns lieber.“ Das diesjährigen Motto des Geisterzugs lautet: „Däm Agrippina ze Ihre: Lans dr römische Muur“ (Der Agrippina zur Ehre: Entlang der römischen Mauer). Die Macher des Zuges sehen ihren Geisterumzug als Fest zu Ehren der römischen Kaiserin Agrippina die Jüngere, die vor mehr als 2000 Jahren in Köln das Licht der Welt erblickte. Der Zug geht einmal rund um Kölns römische Mauer von der Malzmühle bis zum Alter Markt.

Geisterzug Zugplan(c) Ähzebär un Ko e.V.

Tag 4 Karnevalssonntag (15.02.2015)

Der Schull- und Veedelszöch, der traditionell den gleichen Weg wie der Rosenmontagszug zieht, lockt am Karnevalssonntag 250.000 Zuschauer in die Kölner Innenstadt. Die über 8000 Teilnehmer mit ihren bunten, selbstgemachten und ausgefallenen Kostümen und die zahlreichen Musikgruppen sorgen für gute Stimmung. Eine Jury prämiert unter den Teilnehmern die beste Gruppe in den Kategorien Wagengruppe und Fußgruppe und der Leiter des Rosenmontagszugs vergibt zudem einen Originalitätspreis. Die drei Gewinnergruppen dürfen als Gewinn im großen Kölner Rosenmontagszug mitgehen.

Umzug Schull- und Veedelszöch(c) Archiv der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e.V.

Tag 5 Rosenmontag (16.02.2015)

An Rosenmontag kommt es zum Höhepunkt des Kölner Straßenkarnevals, wenn es ab 10:11Uhr in Köln wieder heißt: „D’r Zoch kütt!“ (Der Zug kommt). Knapp 13.000 Teilnehmer und um die 100 Fest- und Persiflagewagen bilden den großen Kölner Rosenmontagszug, der sich seinen Weg durch die Kölner Innenstadt schlängelt. Der größte Rosenmontagszug Deutschlands misst eine Länge von acht Kilometern und lockt bis zu eine Million Besucher an. Macht euch bereit für 300.000 Strüssjer (Blumensträuße), jede Menge Flönz (Blutwurst) und 300 Tonnen Kamelle (BonBons), die von den vielen Gardisten ihren Weg in die Menge finden. Neben den großen Gardegruppen sorgen verschiedenste Kapellen und Sambatruppen für gute Stimmung. Beendet wird der Zoch traditionell mit dem Kölner Dreigestirn. Um eine gute Sicht auf den kunterbunten Umzug zu bekommen gibt es drei Möglichkeiten: 1.Man organisiert sich vorab eine Karte für eine der vielen Tribünen (Kostenfaktor 40-80 Euro, hier geht’s zum Ticketservice), 2.Man kennt Kölner, die an der Zugstrecke wohnen und ihren Fensterplatz mit euch teilen! (Viel Glück!) oder 3.Man ist früh genug an der Zugstrecke und schunkelt sich mit seinen Liebsten warm bis der Zoch kütt. Den kompletten Zugwegplan findet ihr hier. Und immer schön die Augen offen halten, welche Promis sich versteckt unters Volk mischen. Henning Krautmacher hat uns im Interview verraten, dass sie selbst sich auch an Rosenmontag verkleidet in die Kneipen trauen.

Der große Rosenmontagszug in Köln Collage(c) J.Rieger, Köln/Festkomitee Kölner Karneval

Tag 6 Veilchendienstag (17.02.2015)

Ihr habt immer noch nicht genug vom Karneval? Dann verpasst nicht die Nubbelverbrennung. Der Nubbel ist eine Strohpuppe, die für die während der Karnevalszeit begangenen Verfehlungen herhalten muss. Dieser Nubbel wird vor vielen Kölner Kneipen am Abend des Veilchendienstags verbrannt. Symbolisch werden so die Schandtaten der letzten Wochen sowie der Karneval zu Grabe getragen. Bevor es soweit ist und es dem Nubbel an den Kragen geht, werden von Karnevals-Priestern, -Mönchen und –Nonnen Reden über die vergangene Session und die närrischen Tage gehalten. Achtung! Zur Nubbelverbrennung bleibt das Kostüm im Schrank! Dresscode der Nubbelverbrennung ist schwarze Trauerkleidung. Die größte Verbrennung mit 10.000 Besuchern findet auf der Zülpicher Straße statt, aber auch vor etlichen Kneipen der Süd- und Altstadt hat dann das letzte Stündlein des Nubbels geschlagen. Tagsüber sind auch an diesem Tag noch weitere Veedelszüge in vielen Kölner Stadtteilen zu besuchen – alle Termine dazu findet ihr hier.

Der Nubbel wird verbrannt(c) Instagram-User msmarron

Hotels in Köln für die Karnevalstage

Die Hotels in Köln sind über Karneval natürlich sehr begehrt. Da hilft nur eins früh buchen. Zum jetzigen Zeitpunkt* ist es bereits sehr schwer ein Hotel in Köln zu finden. Folgende Durchschnittspreise für eine Übernachtung in einem Doppelzimmer an den tollen Tagen in Köln sind bereits jetzt vier Wochen vor Karneval fällig:

  • 12. Februar 162€ (teuerste Nacht!)
  • 13. Februar 135€
  • 14. Februar 147€
  • 15. Februar 134€
  • 16. Februar 131€
  • 17. Februar 107€ (günstigste Nacht!)
*Stand 23.01.2015

Hotels in Köln findet ihr auf trivago – wer in Köln nichts mehr in seinem Preisbudget findet, der kann auch in den Nachbarstädten Leverkusen, Bergisch Gladbach oder Langenfeld suchen. Die Verkehrsanbindung in die Domstadt ist sehr gut.

Ich hoffe ich konnte Euch den Kölner Karneval ein bisschen schmackhaft machen und Euch bei eurer Planung weiterhelfen. Bleibt zum Schluss nur noch eins zu sagen: „Kölle Du bes e Jeföhl!“

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